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Liebe Leserinnen und Leser,
als Pflegepolitikerin suche ich das Gespräch mit allen Beteiligten aus der Pflegeszene, zuletzt bei meiner Dialogreihe zur Zukunft der Pflege in Berlin. Dort ergaben sich spannende Gespräche mit Pflegerinnen und Pflegern, mit Leitungskräften, mit pflegenden Angehörigen oder Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Pflegestützpunkten. Dabei habe ich wieder gemerkt: Keine Theorie kann den Einblick in die Praxis vor Ort ersetzen. Im Frühjahr 2016 habe ich daher ein Projekt gestartet, das mir ermöglicht hat, mehr vom Berufsalltag von rund 4.500 Pflegerinnen und Pflegern zu erfahren: Eine Online-Umfrage.
"Was beschäftigt Pflegekräfte?", wollte ich von ihnen wissen. Die Antworten und die daraus folgenden Einblicke in die Pflege möchte ich heute mit Ihnen teilen. Das Wort haben dabei die Pflegekräfte selbst - über die Konsequenzen für die Politik und die Gesellschaft, die ich hieraus ziehe, werde ich weiter berichten.
Es grüßt Sie und Euch herzlich
Elisabeth Scharfenberg
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Was macht den Pflegeberuf attraktiv? |
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Pflege kann ein schöner, erfüllender Beruf sein. Das bestätigen die vielen ausführlichen Antworten auf meine Frage: "Was motiviert Sie für Ihre tägliche Arbeit?" Für viele Pflegekräfte ist der Beruf gleichzeitig Berufung oder war dies zumindest
in den Anfangsjahren. Sie haben sich bewusst dafür entschieden, ältere und
kranke Menschen zu unterstützen, Zuwendung zu geben und ihnen durch die Pflege mehr Selbständigkeit
zu ermöglichen. Oder sie wollten ganz bewusst mit Kindern arbeiten und an der
Heilung von Krankheiten beteiligt sein. Es steckt sehr viel Idealismus in den
Antworten, sehr viel Interesse an dem Beruf, an der medizinischen und
pflegerischen Seite. 85 Prozent der Pflegenden sind stolz auf ihre Arbeit. Sie wissen, wie wichtig sie für die Menschen sind, für die sie Verantwortung tragen. Und welche zentrale Bedeutung sie für die Gesellschaft haben.
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Was belastet Pflegekräfte?
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Der Idealismus der Pflegekräfte trifft auf
eine Situation, in der sie ihren eigenen Anspruch an gute Pflege nicht umsetzen
können. Was den Personalmangel betrifft, bringt eine Teilnehmerin es auf den
Punkt: "Pflegenotstand riskiert
Pflegequalität." Die ohnehin hohe seelische und körperliche Beanspruchung von Pflegerinnen und Pflegern wird dadurch verstärkt, dass die Menschlichkeit im Beruf verloren zu gehen droht - durch Personalmangel, Zeitmangel und zu viel Bürokratie.
59 Prozent der Befragten sind unzufrieden mit ihren
Arbeitsbedingungen. Hauptgrund ist der Zeitdruck. Rund die Hälfte würde sich im Nachhinein nicht wieder für
den Pflegeberuf entscheiden, vor allem wegen des schlechten Gehalts und des Personalmangels. 93 Prozent sagen, dass die Arbeitsbelastung in den
letzten zwei Jahren angestiegen ist. 78 Prozent können sich nicht vorstellen, den Beruf bis zur Rente auszuüben. Hauptgründe sind die körperliche Belastung und wiederum der Personalmangel. Rund die
Hälfte der Pflegekräfte würde sich nicht wieder für den Beruf entscheiden. Und was den Nachwuchs betrifft: 45 Prozent der Pflegekräfte würden einem jungen Menschen davon abraten, in die Pflege zu gehen. Da ist es nicht verwunderlich, dass 30 Prozent der befragten Auszubildenden nicht sicher sind, ob sie nach der Ausbildung im Beruf tätig sein wollen. Was belegen diese Zahlen? Die Situation spitzt sich zu. Der Fachkräftemangel ist hausgemacht.
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Welche Veränderungen wünschen sich Pflegekräfte? |
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Ich habe die Pflegekräfte gefragt:
„Wenn Sie drei Verbesserungen im Pflegeberuf durchsetzen
könnten, welche wären das?“
Die Antworten zeigen die Komplexität der Ausgangslage. An erster Stelle steht selbstverständlich: Personal, Personal, Personal. Hier wünschen sich viele mehr und besser qualifiziertes, motiviertes Personal.
Die meisten Pflegekräfte nennen zudem mehr Gehalt als dringendes Ziel. Das hat jedoch viele Aspekte. Zum einen fühlen
sie sich für ihre anspruchsvolle und gesellschaftlich und
menschlich wertvolle Tätigkeit nicht angemessen entlohnt. Zudem nennen viele
den Aspekt der finanziellen Sicherheit. Dazu kommt, dass sie sich besseren und motivierteren Nachwuchs für ihre
Branche erhoffen, wenn der Pflegeberuf besser bezahlt wird. Nicht zuletzt wird das Thema
Wertschätzung und Image in der Gesellschaft eng mit dem Gehalt verknüpft. Eine höhere Anerkennung der Pflege als eigenständiger, wertvoller Beruf ist vielen ein Anliegen, eng verbunden mit der Forderung nach einer Lobby, die die eigenen Interessen vertritt. Nicht alle sehen dies in der Pflegekammer umgesetzt. Mehr Zeit für die Pflege und damit verbunden weniger Bürokratie ist eine weitere Forderung. Sinnlose Dokumentation und enge Minutenvorgaben in der Pflege sollten abgeschafft werden. Nicht zuletzt wünschen sich Pflegekräfte eine Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen, oft mit sehr konkreten Vorschlägen hinsichtlich Dienstplangestaltung, Arbeitszeiten und Gesundheitsmanagement.
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Was ist uns gute Pflege wert? |
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Die Umfrage macht deutlich:
Pflegerinnen und Pfleger im Krankenhaus und in der Altenpflege sind stolz auf ihren
Beruf. Sie wissen, sie leisten Wertvolles für die von ihnen Betreuten. Dennoch
sehen sie sich einer Gesellschaft gegenüber, die sich mit Pflege möglichst wenig befassen
möchte. Die für ihren Beruf höchstens ein "Ich könnte das nicht"
übrig hat. Und die auf der anderen Seite gerne gut und kostengünstig gepflegt
werden möchte.
Doch wer soll uns in Zukunft pflegen? Wenn einerseits die Zahl der
Pflegebedürftigen steigt und andererseits die Zahl der Pflegekräfte rapide
sinkt. Und wenn zudem diejenigen, die in dem Beruf arbeiten, unter den
Arbeitsbedingung leiden und eher früher als später aus dem Beruf aussteigen
wollen?
Was ist uns gute Pflege wert? Das ist die zentrale Frage.
Es gibt sie, die Pflegeheime, in denen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf
einen qualifizierten Kollegenkreis vertrauen können und sich die anfallende
Arbeit auf die benötigten Schultern verteilt. Wo es verlässliche Dienstpläne
und Arbeitszeiten gibt, die sich mit Familie und Freizeit vereinbaren lassen.
Wo Maßnahmen zur Gesundheitsprävention angeboten werden und Fehlerentwicklungen
oder Probleme offen angesprochen werden. Wo sich Pflegekräfte mit ihren
persönlichen Interessen und Talenten einbringen können. Wo sie gute Beziehungen
zu den Heimbewohnern aufbauen können, die sie täglich und oft über Jahre
betreuen. Wo Weiterbildungen finanziert werden und wo auch die Bezahlung stimmt.
Diese Leuchttürme machen vor, dass es geht. Aber sie hängen oft an günstigen
Rahmenbedingungen und guten Köpfen. Sie sollten keine Einzelfälle, sondern die
Regel sein. Dafür müssen wir die Voraussetzungen geschaffen. Dann wäre Pflege wieder
der attraktive Beruf, der er sein kann.
Hier finden Sie die Ergebnisse der Umfrage
Hier geht es zu meiner Sicht der Umfrage: Zum Blog
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